Polen: Ende der Zwillingsherrschaft

Gute Nachrichten aus Polen:

Das Ende der Zwillingsherrschaft in Polen ist seit heute Abend absehbar. Nach einem Rekordwert von 55% Wahlbeteiligung steht nun wohl endg√ľltig fest, dass Ministerpr√§sident Kartoffelkopf II den Hut nehmen darf. Ein Gl√ľck. In Polen sieht es zwar in einigen Punkten politisch desastr√∂s aus, aber offenbar sind die Polen schlau genug, um sich solche Leute wie die Kartoffelk√∂pfe Kaczynski nicht noch ein weiteres Mal an die Macht zu w√§hlen. Danke, liebe Polen.
√úbrigens: ich finde es bemerkenswert, dass es in Polen keine sozialdemokratische oder linksliberale Macht zu geben scheint.

[via SPON]

Wenn Frauen morden…

… dann reden Spiegel Online und Spiegel TV auch mal Morde klein.
War ja in Wirklichkeit nicht so schlimm. Und wer seinen Partner geplant, hinterlistig und blutr√ľnstig ermordet anstatt zur Polizei zu gehen, dem der kann man ja nicht wirklich b√∂se sein, denn er sie hatte ja einen Grund daf√ľr.

Das eigentlich interessante an dieser Meldung ist, dass es sie gibt. Sie zeigt eine Menge √ľber die Bewertung von Frauen und M√§nnern in unserer Gesellschaft. Dass Frauen schwach sind (zu schwach offenbar, um zur Polizei zu gehen), steht ja wortw√∂rtlich im Artikel.

Ich bin mir sicher: wenn ein Mann seine Frau unter den gleichen Umst√§nden ermordet, dann reagiert der Spiegel weniger verst√§ndnisvoll. Nat√ľrlich, denn Mord ist und bleibt Mord, das schlimmste Verbrechen, das die Menschheit kennt. Die Masche ein Opfer zu sein, zieht im Gerichtssaal hoffentlich nicht.

Die Google-Dystopie

gefunden bei Technology Review:

Die Google-Dystopie

Der Science Fiction-Autor, Blogger und Netzb√ľrgerrechtler Cory Doctorow beschreibt in einer Kurzgeschichte eine Zukunft, in der die gro√üe Suchmaschine ihr „Don’t Be Evil“-Motto aufgibt und zur Datenkrake des Sicherheitsstaats wird.

Hier der Direktlink:
Cory Doctorow: „Scroogled“, Radar Online, September 2007.

Die Geschichte unterliegt √ľbrigens einer CreativeCommons Lizenz.

Polen im Mittelalter – geistig.

Am 10. Oktober ist er unbemerkt an uns vor√ľbergegangen – der erste europ√§ische Tag gegen die Todesstrafe. Tats√§chlich ist Europa (weitaus mehr als die EU) von der Todesstrafe frei. Nirgendwo wird sie mehr praktiziert, wenn auch in einigen L√§ndern wie Wei√ürussland noch formal vorhanden.
Etwas, auf das wir Europ√§er wie ich finde mit Recht stolz sein k√∂nnen. Eine zivilisatorische Errungenschaft, die seinesgleichen sucht. Ausrei√üer beim Begehen des Tages sind jedoch – man m√∂chte sagen „wieder einmal“ – die Polen.

Zwischen zwei Dritteln und drei Vierteln der Polen sind f√ľr die Todesstrafe.¬† Carsten Li√ümann von der ZEIT hat sich auf die Spurensuche gemach, und viele m√∂gliche Gr√ľnde f√ľr die Geilheit auf die Todesstrafe ausgemacht.

Aber ganz so weit aus dem Fenster lehnen k√∂nnen wir bei uns in Deutschland auch nicht. Das Problem: es existieren kaum Zahlen √ľber die Zustimmung der Todesstrafe. Dazu kommt: auch bei h√∂her gebildeten Menschen ist eine gewisse Zustimmung zur Todesstrafe da. Die √úberraschung dabei: Frauen scheinen eine gr√∂√üere Affinit√§t zur Todesstrafe zu haben als M√§nner.

Ausgezeichnete Datenkraken 2007

Am Freitag, dem 12.10.2007 ist es wieder einmal so weit: in Bielefeld werden die Big Brother Awards f√ľr die gr√∂√üten Datenkraken Deutschlands verliehen. Wieder einmal findet die Veranstaltung in Bielefeld statt, wo sonst. ūüôā
Weitere Infos finden sich auf der Homepage des FoeBuD e.V. 

Hier √ľbrigens ein Bild der wundervollen Troph√§e:

Ist sie nicht schön?

NRWs Onlinedurchsuchung vor Gericht

Heute war die NRW-Variante der Onlinedurchsuchung vor dem Bundesverfassungsgericht, und hat die erste Klatsche erhalten, wenn man das so bezeichnen kann.
Der erste m√ľndliche Verhandlungstag lief f√ľr die beklagten desolat ab. Siehe hier.

Sehr interessant der Kommentar im lawblog, den ein User postete:

Kai K√∂nig meint: (10.10.2007 um 18:41) (…) Angesichts h√§ufiger Lacher des gesamten Saales den Papier auf Kosten der Prozessbevollm√§chtigen von NRW produzierte und den ‚ÄúR√ľckfragen‚ÄĚ der restlichen Richter, die mehr einem Verh√∂r eines Angeklagten glichen, d√ľrfte das NRW-Gesetz wohl in der Luft zerissen werden.
(…)
Besonders peinlich war aber der Chef des NRW-Verfassungsschutzes‚Ķ auf R√ľckfrage ob denn schon Online-Durchsuchungen stattgefunden h√§tten, und wenn ja womit(Software) und von wem stammt sie. ungef√§hrer O-Ton:
‚ÄúWir haben keine eigene Software (entwickelt) – wir erhalten die im Wege der Amtshilfe anderer Beh√∂rden bzw. Dienste.‚ÄĚ – ‚ÄúUnd welche?‚ÄĚ – ‚ÄúEhm.. ja‚Ķ muss ich das sagen? (versucht sich zu erinnern, was in der Aussagegenehmigung stand)‚Ķ ‚ÄĚ – ‚ÄúNun das BMI hat ja erkl√§rt, dass es keine Software fertig habe‚ÄĚ – ‚ÄúJa, nun‚Ķ. ehh‚Ķ. wir erhalten die ja auch im Wege der Amtshilfe von andern Diensten‚Ķ. ehhh‚Ķ. jaa‚Ķ.‚ÄĚ
‚Äď Hier beendet Papier die R√ľckfragen zu diesem Thema, da er den armen Mann nicht noch in ernte Bredouille bringen will.

Du liebe Zeit. ūüėÄ

taz zeigt: So funktionieren Wahlcomputer

Eine Wunschwahl in 60 Sekunden bekommt man nur mit Wahlcomputern hin. Die taz erkl√§rt, wie Wahlcomputer funktionieren, warum sich die in Deutschland einzigen zugelassenen Modelle leicht hacken lassen, und warum sie in ihrem Heimatland Holland ausgemustert wurden. Dort ist man n√§mlich zur Zettel+Stift Wahl zur√ľckgekehrt.

Mindestens genau so beunruhigend wie die miserabele Sicherheit der Wahlcomputer selbst ist die Weiterverarbeitung der Wahlergebnisse:

F√ľr weitreichende Wahlf√§lschungen m√ľssten Computerkenner die Wahlcomputer nicht einmal anfassen. Denn nach der Wahl werden die Speicherbausteine aus den Nedap-Rechnern auf zentralen Gemeinde-PCs gelesen und die Ergebnisse zusammengerechnet.

In dem Programm, mit dem das geschieht, wurden „keine Sicherheitsma√ünahmen gefunden, die eine Manipulation der Software zur Laufzeit verhindern w√ľrden“. Da die Rechner ganz normal mit dem Internet verbunden seien, k√∂nne bereits eine Attacke auf das Programm die Wahlergebnisse „f√ľr einen ganzen Wahlbezirk beeinflussen“.

Na Super. Da ich bereits im Januar mit diesen Dingern zu tun bekomme, ist die Frage: was tun?

a) Trotzdem hingehen und Wahlcomputer bedienen
b) Briefwahl machen
c) Wahl boykottieren

[via netzpolitik.org]

Update:

Der liebe Wetterfrosch gab den Hinweis:wie eine NEDAP Wahlmaschinen Manipulation dann tatsächlich letztendlich aussieht (60 Sekunden Video, Youtube):


Der Report des CCC zum Thema Nedap-Wahlcomputer kann hier nachgelesen werden.

Schneller surfen mit Firefox durch „Pipelinening“

Die Pipeline-Architektur (oft auch kurz Pipelining genannt) beschreibt die Fähigkeit von Mikroprozessoren, die Abarbeitung von Maschinenbefehlen in aufeinander folgende Teilaufgaben zu zerlegen, welche jeweils in einem Takt verarbeitet werden.

Bei Firefox bedeutet das: es werden x Objekte gleichzeitig geladen statt eines nach dem anderen.

Eine Anleitung f√ľr die about:config Datei von Firefox findet man im Firefox Wiki: Geschwindigkeit optimieren.

Meine Einstellungen bei 3MBit liegen aktuell bei 200 Pipelines 7 Pipelines.

Vielen Dank und einen b√∂sen Blick an „Lord Gundolf“.
(b√∂ser Blick, weil er das so lange f√ľr sich behalten hat, und Dank, weil er es dann letztendlich doch noch verraten hat) ūüėÄ

Update:
√úbrigens hat jeder User seine eigenen Einstellungen im about:config. Wer also Firefox mit mehreren Usern betreibt sollte darauf tunlichst achten.

Update 2:
Man lernt ja nie aus. Wie ich jetzt nachgelesen habe sind mehr als 8 Pipelines purer Unsinn, weil Firefox nicht mehr als 8 Zugriffe gleichzeitig vollf√ľhren kann. N√§heres kann man hier nachlesen:
http://egonitron.com/(…)/the-truth-about-the-firefox-pipelining-trick/

Desweiteren sollte man sich im Klaren sein, dass Pipelininig auch Webserver belasten kann. Was zur Folge haben kann, dass man ausgesperrt oder heruntergestuft wird bei Anfragen auf eine Seite.

Datenblockwarte & Wortschöpfung des Tages: STASIFIZIERT

Gefunden habe ich das bei einer Meldung √ľber den d√§nischen Geheimdienst, die inzwischen Privatpersonen f√ľr die Auswertung der angefallenen Verbindungsdaten heranzieht.

Ganz √ľbel finde ich folgenden Abschnitt

Aber die Anwerbung reicht √ľber die Telekommunikationsbranche hinaus. So werden unter anderem die Hotels und Gastst√§tten in D√§nemark verpflichtet, eigene elektronische Listen anzulegen √ľber die Anrufe, E-Mails und Internet-Besuche ihrer G√§ste. √úberall sollen informelle PET-Mitarbeiter eingeschworen werden. Sogar Campingplatz-Betreiber werden nicht ausgespart.

Dabei l√§uft es mir eiskalt den R√ľcken herunter: in Deutschland nannte man sowas dereinst Blockwarte.

Alles in Allem ein sehr lesenswerter Beitrag der Berliner Zeitung: „Lauschiges D√§nemark“.

Weises & Wahres – „Mit Nazis reden“

Nicht neu, aber noch immer richtig und gut:

Alle Welt sucht das Gespr√§ch mit Rechtsradikalen. Warum? Haben sie einem etwas zu sagen? Ist nicht hinl√§nglich bekannt, was sie denken, fordern und propagieren?(…)
Mu√ü man an jeder M√ľlltonne schnuppern? Niemand w√§hlt Nazis oder wird einer, weil er sich √ľber deren Ziele t√§uscht, – das Gegenteil ist der Fall; Nazis sind Nazis, weil sie welche sein wollen. Eine der unangenehmsten deutschen Eigenschaften, das triefende Mitleid mit sich selbst und den eigenen Landsleuten, aber macht aus solchen Irrl√§ufern der Evolution arme Verf√ľhrte, ihrem Wesen nach gut, nur eben ein bi√üchen labil etc., „Menschen(…) „um die wir k√§mpfen m√ľssen“. Warum? Das Schicksal von Nazis ist mir komplett gleichg√ľltig; ob sie hungern, frieren, bettn√§ssen, schlecht tr√§umen usw. geht mich nichts an. Was mich an ihnen interessiert, ist nur eins: da√ü man sie hindert, das zu tun, was sie eben tun, wenn man sie nicht hindert: die bedrohen und nach M√∂glichkeit umbringen, die nicht in ihre Zigarettenschachtelwelt passen. Ob man sie daf√ľr einsperrt oder sie daf√ľr auf den Obduktionstisch gelegt werden m√ľssen, ist mir gleich, und wer vom Lager (f√ľr andere) tr√§umt, kann gerne selbst hinein.

Wiglaf Droste in H√∂chstform, dies von 1995 aus dem Programm „Die schweren Jahre ab Dreiunddrei√üig“.

So viel zum Thema „Nazis sind wie andere Menschen meist durchaus umg√§nglich.“ – so muss mir keiner kommen.

[via]