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Tag: 6. September 2009

  • „Die gar traurige Geschichte mit dem Grundgesetz“

    Hin und wieder findet man sie, Perlen im Forum von heise.de, die viel zu schade sind, um in einem Forum zu verweilen. Folgendes Gedicht basiert auf einer Geschichte aus dem Struwwelpeter: „Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug“.

    Die gar traurige Geschichte mit dem Grundgesetz

    Zensursel war allein zu Haus,
    Die Wähler waren alle aus.
    Als sie nun durch den Reichstag sprang
    Mit leichtem Mut und Sing und Sang,
    Da sah sie plötzlich vor sich stehn
    Das Grundgesetz, nett anzusehn.
    „Ei“, sprach sie, „ei, wie schön und fein!
    Das muss ein trefflich Spielzeug sein.
    Ich zünde die Verfassung an,
    wie’s einst der Opa hat getan.“

    Und Minz und Maunz, die Katzen,
    Erheben ihre Tatzen.
    Sie drohen mit den Pfoten:
    „Ach, Karlsruhe hat’s verboten!
    Miau! Mio! Miau! Mio!
    Lass stehn! Sonst brennt Deutschland lichterloh!“

    Zensursel hört die Katzen nicht!
    Das Grundgesetz brennt hell und licht,
    Das flackert lustig, knistert laut,
    Grad wie ihr’s auf dem Bilde schaut.
    Zensursel aber freut sich sehr
    Und sprang im Reichstag hin und her.

    Und Minz und Maunz, die Katzen,
    Erheben ihre Tatzen.
    Sie drohen mit den Pfoten:
    „Ach, Karlsruhe hat’s verboten!
    Miau! Mio! Miau! Mio!
    Mach’s aus! Sonst brennt Deutschland lichterloh!“

    Doch weh! Die Flamme fasst den Raum,
    Und nach nur fünf Minuten kaum
    Da brennt der Reichstag, brennt das Haus,
    Es brennt das ganze Land, oh Graus.

    Und Minz und Maunz, die schreien
    Gar jämmerlich zu zweien:
    „Herbei! Herbei! Wer ist zur Hand?
    Im Feuer steht das ganze Land!
    Miau! Mio! Miau! Mio!
    Zu Hilf‘! Das Land brennt licherloh!“

    Verbrannt ist alles ganz und gar,
    Das arme Land mit Haut und Haar;
    Ein Häuflein Asche blieb allein,
    Und Ursels Dienstwagen so fein.

    Und Minz und Maunz, die kleinen,
    Die sitzen da und weinen:
    „Miau! Mio! Miau! Mio!
    Wo ist die arme Freiheit? Wo?“
    Und ihre Tränen fließen
    Wie’s Bächlein auf der Wiesen.