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Tag: 27. Mai 2008

  • Zynismus vs Sarkasmus

    Gelesen im heise.de Newsticker Forum:

    „…Wenn im Schulunterricht irgend jemand was Freches oder
    Überspitztes sagte, kam häufig, meist aus der Reihe der Mädchen, die
    vorwurfsvolle Frage »Ist das nicht Zynismus?« Der Lehrer sagte dann
    immer: »Nein, das ist ein Sarkasmus.« Näher wurde da nie drauf
    eingegangen, vielleicht hatte der Lehrer den Unterschied auch nicht
    ausformuliert parat und wollte vor den Schülern nicht ins
    Herumdrucksen kommen. Klar war nur: Zynismus schlecht, Sarkasmus gut.
    Das reicht ja auch als Info für ein paar alberne Teenager. Doch
    selbst dieser Wertungsunterschied ist heute kaum noch bekannt.

    Die Begriffe Zynismus und Sarkasmus werden flächendeckend, überall,
    in Medien sämtlicher Art miteinander verwechselt. Dabei sind die
    Unterschiede einfach und klar. Zynismus ist ein Wesenszug, während
    Sarkasmus das Resultat von Formulierungskunst ist. Zynismus ist ein
    Resultat von Enttäuschung und Vereinsamung. Er besteht im Negieren
    aller Werte und Ideale, im Verhöhnen der Hoffnung, im Hass auf jedes
    Streben nach Besserung. Der Zyniker glaubt nicht, dass etwas zu
    bessern sei. Er sagt »Es geht ja sowieso nur immer um Sex und Geld,
    die Menschen sind sowieso schlecht, es wird sowieso alles den Bach
    runtergehen, warum soll ich nicht die Bild-Zeitung lesen, es ist doch
    sowieso alles egal.« Das Lieblingswort des Zynikers ist »sowieso«.

    Als Zyniker kehrt man aus schwierigen Lebenslagen zurück, in denen
    man alleine gelassen wurde. Zum Beispiel aus Kriegen oder Kindheiten.
    Der Sarkast kehrt allenfalls aus seinem Weinkeller zurück, und mit
    der guten Flasche dort geholten Rotweins setzt er sich in seinen
    Sessel und denkt sich neue, teils spitze, teils mürrische Bonmots
    aus, wobei er sehr viel Lebensfreude empfindet und aussendet…“