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Tag: 18. Oktober 2005

  • Verräterische Drucker: EFF schlüsselt auf

    Da ich auch beruflich viel mit Hardware, und dort noch mehr mit Druckern zu tun habe, interessiert mich folgender Umstand ganz besonders: Die Electronic Frontier Foundation, hat jetzt aufgedeckt wie genau die in Farbdruckern und -kopierern eingearbeiteten Seriennummern funktionieren, und was die kaum sichtbaren gelben Dots auf den Seiten bedeuten.


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    Die EFF hatte nach der Entdeckung der hellgelben Punkte dazu aufgerufen, Testdrucke einzuschicken, und tut dies auch weiterhin. Nach mehrmonatiger Forschung ist die EFF jetzt soweit, eine Liste von Druckern herauszugeben, die diese verräterischen Zeichen produzieren.

    Auch der Inhalt des jeweiligen Codes darf als fast vollständig entschlüsselt angesehen werden. Dazu gibt die EFF eine genaue Anleitung zum Aufspüren der Dots sowie ihrer Interpretation.
    Sicher ist auf jeden Fall, dass die Drucker Datum und Uhrzeit des Drucks, sowie die Seriennummer des Druckers kodiert auf jedes einzelne Blatt übertragen.


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    Da die äußere Form des Codes jetzt bekannt ist, bietet die Organisation ebenfalls eine direkte Eingabemaske für die Dots an, die als Programm frei verfügbar ist.

    Was bisher nur Wenige zu stören scheint ist hier eine Entwicklung, die sich an dieser Hardware fortsetzt. Hardware wendet sich gegen ihre Nutzer. Der Kunde bezahlt diese Entwicklung, die ihn in keinem Punkt nützt. Ich für meinen Teil werde Kunden darauf hinweisen, wenn sie mich nach einem Farblaserdrucker fragen. Aller Erfahrung nach interessieren sich Menschen sehr für diesen Umstand, und sind dankbar, wenn man sie darauf hinweist, denn sie betrachten es als guten Service.

    Und im Heise-Forum liest man:

    Hätte die „Weisse Rose“ per Farblaser gedruckt, (…) dann hätte man Sophie Scholl und ihre Freunde noch eher gefunden.

    [via heise.de]

    Update:
    Ich habe die Liste der Drucker von der EFF mal quergelesen. Bisher scheinen davon eher mittelgroße bis große Farblaserdrucker sowie Druckstationen von 500 – 1.000 Euro aufwärts betroffen zu sein. Also der „kleine“ Farblaser für Einsteiger, den man beim Fachhändler bekommt, scheint dieses „Feature“ noch nicht zu haben. Entweder das, oder es ist noch nicht aufgefallen.

  • Bagatellgrenze für Raubkopien?

    Dass das Spielchen mit der Medienindustrie vs. Filesharing auf Dauer so nicht weitergehen würde, war mir ja schon länger klar. Jetzt bekommt die Sache aber offenbar eine völlig neue Wendung.
    Durch die Massenanzeigen einiger Vertreter der Film- und Musikindustrie sind einige Staatsanwaltschaften erwartungsgemäß zum Erliegen gekommen. Mehr als 20.000 Anzeigen aufgrund von Filesharing gab es, und die Staatsanwaltschaften wären wohl auf Monate, wenn nicht sogar Jahre hinaus mit nichts anderem mehr beschäftigt.

    Klar, denn Staatsanwaltschaften sind nur ausschließlich dafür da, um der Medienindustrie als Büttel zu dienen. Es gibt auch echte Verbrecher da draußen. Die logische Folge: Staatsanwaltschaften fordern eine Bagatellgrenze im Urheberrecht für Tauschbörsen-Nutzer.

    Die Ermittlungsbehörden unterstützen damit einen Vorstoß von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Die SPD-Politikerin hatte in ihrer Vorlage für den umstrittenen Kabinettsentwurf der Bundesregierung zur zweiten Reformstufe des Urheberrechtsgesetzes einen entsprechenden Gesetzesvorbehalt eingebaut. Demnach sollten rechtswidrige Vervielfältigungen straffrei bleiben, wenn sie „nur in geringer Zahl und ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch“ hergestellt werden. Vor den Neuwahlen hatte die Bundesregierung den intern umstrittenen Entwurf zwar nicht mehr verabschiedet, Zypries ist jedoch auch in der geplanten Großen Koalition als Justizministerin vorgesehen, sodass der Zwist um den so genannten „2. Korb“ der Urheberrechtsreform schon jetzt wieder heftiger wird.

    Danke, liebe Medienindustrie. Danke.

    [via heise.de]

  • World of Warcraft – Datenschützer sind also paranoide Spinner?

    Es ging bereits vor einigen Tagen durch die blogs: World of Warcraft beinhaltet Spyware, mit dem die Firma Blizzard sowohl die World of Warcraft selbst als auch Drittapplikationen ausspionieren kann, wie Hugo aus dem heimatlichen Münsterland berichtet. Öffentlich wurde diese Info über den Computer- und Kryptoexperten Bruce Schneier, der in seinem Weblog darauf aufmerksam machte.

    Daher werde ich mein WoW Abo umgehend kündigen, das Geld ist in Webhosting und flickr-accounts eh viel besser angelegt als in einem Spiel mit (mittlerweile) kaum etwas anderem als wildem rumgeklicke als Freizeitvernichtung. Sorry, mein Gehirn will beschäftigt werden, das geht mit Bloggen ganz gut. Und wenn ich wirklich mal Bock auf was stupides habe, darf Serious Sam immer noch herhalten.

    Natürlich trage ich solche Infos immer auch gerne weiter, da ich schon einige WoW Zocker kenne. Die Reaktionen sind durchgehend verblüffend, oder nein. Genau genommen sind sie alles andere als verblüffend, sondern eher erschreckend erwartungsgemäß. Gleich mehrere Leute haben mir zu verstehen gegeben, dass ich doch nicht in irgendwelche Paranoia verfallen müsse. Da würde doch nichts passieren, und überhaupt: was sollte ein Konzern wie dieser schon ausgerechnet bei mir ausspionieren? Das wäre doch alles nicht so schlimm.

    Mal abgesehen davon, dass ich so sensibele Daten auf dem Rechner habe, dass ich militärische Verschlüsselung einsetzen will, kommt es darauf doch gar nicht an. Es geht um die Frage, warum ich Jemandem so bedingungslos vertrauen soll, der mir klipp und klar deutlich macht, dass er mir nicht einen Finger breit vertraut.
    Denn das ist ja gerade der Knackpunkt beim Datenschutz, aber das kennen wir ja schon.

    [via Hugos House of Weblog Horror, Schneier on Security]